Vipassana Retreat

10 Tage für ein neues Leben

Bei dem Titel fragst du dich vielleicht: „Ist das nicht übertrieben?“ – Ich sage: Kommt darauf an, was du daraus machst. 😉 In diesem Post möchte ich Vipassana als Meditationstechnik kurz beschreiben, möchte eine detaillierte, aber übersichtliche Beschreibung von so einem zehntätigen Meditationskurs geben, und auch erklären, wie Vipassana und Yoga meiner Meinung nach zusammengehören. Viel Spaß beim Lesen!

Zu Beginn – Vipassana kurz erklärt:

Vipassana bedeutet: „Die Dinge so sehen, wie sie wirklich sind“. Vipassana ist eine Meditationstechnik, die dabei hilft, allen Ereignissen im Leben mit mehr Gleichmütigkeit zu begegnen und daher die innere Balance auch in unangenehmen Situationen zu bewahren. Die Technik beruht darauf, dass alles im Leben vergänglich ist – die guten wie die schlechten Momente – und es daher keinen Sinn macht, sich in Erlebnisse zu sehr hineinzusteigern. Aber warum ist das wichtig?

Im Leben neigen wir dazu, uns an die schönen Dinge zu klammern, ihnen ewig nachzutrauern oder lange im Voraus entgegenzufiebern – und vergessen dabei ganz, die Momente im Hier und Jetzt zu genießen. Es schleicht sich immer wieder dieses „wenn – dann“ Gedankenmuster ein: Wenn dies oder jenes passiert, dann werde ich […] genießen können, dann beginne ich […] zu tun, dann werde ich glücklich sein. Die Gefahr besteht, sein Glück so von Ereignissen im Außen abhängig zu machen. Gleichzeitig hegen wir oft auch lange Groll gegen bestimmte Dinge oder Menschen, die uns in der Vergangenheit gekränkt oder verletzt haben oder haben Angst vor theoretischen Zukunftsszenarien. In diesem Fall verlieren wir wiederum die Gegenwart aus den Augen und lassen so zu, dass wir in der Gegenwart unter Dingen aus der Vergangenheit oder Zukunft leiden, ohne die Momente im Jetzt zu nutzen, zu spüren und zu genießen – weil wir eben mit der Vergangenheit oder der Zukunft beschäftigt sind.

 

Vipassana zu praktizieren bedeutet nicht, alle Dinge einfach über sich ergehen zu lassen und quasi ohnmächtig alles zu beobachten, das im Leben geschieht – sondern die Kraft der Gegenwart zu nutzen, die ständige Veränderung, die jedes Leben ohnehin mit sich bringt, aktiv mitzugestalten und zu bewusst zu erleben, sein inneres Wohlbefinden allerdings nicht davon abhängig zu machen. Die einzige Zeit, in der sich etwas gestalten lässt, ist nämlich die Gegenwart.

Präsent in der Gegenwart zu bleiben und sich nicht in Gedanken über die Vergangenheit oder Zukunft zu verlieren, ist allerdings eine ganz schöne Herausforderung, die Übung erfordert. Dieses Lenken der Aufmerksamkeit auf die Gegenwart und gleichzeitig das Hegen der inneren Gleichmütigkeit üben wir in so einem Vipassana-Retreat – und im besten Fall danach auch zu Hause.

Aber wie? Vipassana besteht ganz einfach daraus, sich auf alle Empfindungen zu konzentrieren, die man im Hier und Jetzt auf dem eigenen Körper spürt und sie objektiv, ohne Reaktion, zu beobachten. Im Laufe der Zeit (und je besser man sich konzentrieren kann) merkt man, dass jedes Jucken, Kribbeln, Vibrieren, Pulsieren oder welches Gefühl auch immer, aufkommt, und dann irgendwann wieder verschwindet. Das Verständnis der ständigen Veränderung kann man so auf der Erfahrungsebene über die eigenen Empfindungen aufbauen. In den zehn Tagen bekommt man so ein Gefühl davon, dass jede Empfindung, die man im Leben spürt, vergänglich ist.

Über die Technik an sich gibt es noch viel mehr zu sagen… Da ich einen zehntägigen Kurs allerdings nicht in einem Blogpost zusammenfassen kann und natürlich denen, die überlegen, an einem solchen Kurs teilzunehmen, nicht zu viel verraten möchte, belasse ich es hiermit dabei. Erlebt es selbst, es lohnt sich wirklich! (umsonst hätte ich nicht schon 20 Tage meines Lebens „geopfert“ und wäre mir nicht sicher, dass noch einige Tage darauf folgen werden 😉).

Um so einen Aufenthalt etwas zu entmystifizieren, gibt es jetzt noch eine kurze Zusammenfassung des Ablaufs und einige Tipps, um sich bestmöglich auf die Zeit vorzubereiten (wobei Vorbereitung wirklich optional ist und viele Leute – inklusive Johannes und mir beim ersten Mal – völlig unvorbereitet an solchen Retreats teilnehmen und es auch überleben).

Wie schaut der Ablauf eines solchen Retreats aus?

Tag 0: Du kommst an. Du füllst dein Anmeldeformular aus, gibst alle Wertsachen, elektronischen Geräte, Schreibutensilien, Bücher usw. ab. Bis nur noch du und deine Kleidung übrigbleiben. Am Besten nimmst du also gar nichts mit. 😉 Danach hast du Zeit, dich mit den Mitmeditierenden (des gleichen Geschlechts, denn Geschlechtertrennung herrscht mehr oder weniger ab der Anmeldung) auszutauschen, anzufreunden, noch ein paar Stunden „soziales Leben“ zu genießen. Am Abend gibt es dann die erste Einführung in die Meditation, von da an wird „Noble Stille“ ausgeübt. Das heißt kein Sprechen, kein Blickkontakt, keine Gesten, absolut keine verbale und nonverbale Kommunikation mit den Mitmeditierenden.

Von Tag 1- Tag 9 wirst du Schritt für Schritt in die Meditation eingeführt und durch die Technik geleitet. Jeden Abend gibt es einen Video-Exkurs, der eine nette Abwechslung zum Meditieren bietet und dir helfen wird, die Technik besser zu verstehen und anwenden zu können. Der Tagesablauf bleibt jeden Tag genau gleich, was sehr angenehm ist, da du dich um nichts kümmern und an nichts denken musst, während du dich auf dich selbst konzentrierst.

Tag 10 ist sozusagen der Schock-Absorber. Du darfst dich wieder mit den anderen Leuten im Retreat unterhalten, dich austauschen, lachen, die letzten Tage verarbeiten und dich wieder ans „normale“ Leben gewöhnen. Dieser Tag fühlt sich meiner Meinung nach an wie drei Tage und ist wahrer Balsam für die Seele. Sooo schön, wirklich!

Der 11. Tag ist der Abreisetag. Wenn du es dir einteilen kannst, hilf bei den Aufräumarbeiten ein bisschen mit. Es ist wirklich wohltuend und gibt dir das Gefühl, etwas zurückgeben zu können. Die letzten zehn Tage war es schließlich nur möglich, dieses Erlebnis so ungestört zu genießen, weil unzählige Freiwillige im Hintergrund dafür gesorgt haben, dass alles glatt läuft. Und durch die Arbeit kommst du dem Alltag noch ein Stückchen näher, bevor du wirklich daheim ankommst. 😊 Falls ich dein Interesse geweckt habe, hier noch ein paar praktische Tipps:

Was ist vor, während und nach dem Retreat wichtig?

Melde dich früh genug an

Anmeldungen werden auf der österreichischen Vipassana Website angenommen. Um dich für einen Vipassana Retreat in Österreich (und in anderen Ländern ist das ganz ähnlich) anzumelden, musst du allerdings besonders als neuer Schüler/neue Schülerin (jemand, der zum ersten Mal so einen Retreat besucht) schnell sein. Der Kurs, den ich besucht habe, war bereits am Tag, an dem die Anmeldung geöffnet wurde, voll. Das war vier Monate vor Beginn des Kurses. Auf der Website findest du im Vorhinein Kurse, für die die Anmeldefrist bald geöffnet wird.

Nimm dir die Woche vorm Retreat Zeit, nur mehr die wichtigsten Dinge zu erledigen und schließe große Projekte am besten vorher ab:

Bei meinem ersten Retreat waren wir davor eine Woche Trekken. Noch dazu waren wir seit drei Wochen in Nepal und hatten keine Verpflichtungen, keine Termine und keine anstehenden Projekte. Mein Gehirn war also angenehm leer. 😉 Beim zweiten Mal sah das Ganze anders aus und ich merkte, was das für einen unglaublichen Unterschied machte! Ich hatte eine ziemlich turbulente Zeit und kam ziemlich abgehetzt am Retreat an. Bis zum letzten Moment habe ich noch gearbeitet, sogar im Auto noch einige E-Mails beantwortet. Es hat mich dann die ersten drei Tage gekostet, überhaupt ins Meditieren zu finden und die Konzentration einmal auf MICH anstatt auf all die Dinge, die zu erledigen sind, zu lenken. Das war hart und möchte ich beim nächsten Mal unbedingt vermeiden!

Nimm an einem Retreat in deiner Muttersprache teil.

Mein Englisch ist dank meiner langen Zeit im (englischsprachigen) Ausland und meiner Ex-Beziehung fast auf Muttersprachenlevel. Trotzdem habe ich von meinem zweiten Retreat noch mehr profitiert, da er auf Deutsch war. Bzw. zweisprachig auf Englisch (original) und Deutsch. Die Instruktionen für die Meditation doppelt hintereinander (wenn auch in zwei verschiedenen Sprachen) zu hören, war wirklich total hilfreich, gerade, weil ich mich nach so vielen Stunden meditieren oft nicht mehr auf das Gesagte konzentrieren konnte. Daher war es absolut hilfreich und befreiend, das ganze jeweils zweimal zu hören, anstatt wie beim ersten Mal nur auf Englisch und dann auf mir unverständlichem Nepali.

Bringe nur das Nötigste mit

Am besten so wenig wie möglich. Ausreichend bequeme Kleidung für 10 Tage. Wichtig sind dabei vor allem Jogginghosen, gemütliche T-Shirts und Pullover/Westen in verschiedenen „Dicken“. Zwiebellook ist super, da du wahrscheinlich extrem feinfühlig für Temperaturschwankungen werden wirst. Natürlich Unterwäsche und etwas zum Schlafen. Eine Trinkflasche ist praktisch, und auch eine Thermoskanne (beschrifte die Gefäße am besten im Vorhinein). Utensilien für die tägliche Pflege (als Frau auch Menstruationsutensilien nicht vergessen! 😉) sind mitzubringen, Schminkzeug und alles, was sonst nicht zwingend nötig ist, lasse am besten daheim. Eine Uhr kannst du mitnehmen. Wenn du eine mitnimmst, dann aber nur eine, die nicht tickt oder piepst. Das stört in der Stille nämlich ziemlich. Da zum Aufwecken, sowie zu Beginn und zum Ende jeder Meditationseinheit, ein Gong geschlagen wird, braucht man meiner Meinung nach jedoch eigentlich gar keine Uhr. Ich hatte noch einen Black-Roll-Knochen und Tennisball dabei, um meinen Rücken in den Pausen zu massieren. Das wirkte Wunder 😉

Meine wichtigste Regel: Überiss dich nicht!

Wenn du Essen so liebst, wie ich, werden die Mahlzeiten ganz bestimmt dein tägliches Highlight des Retreats werden. Stell es dir nur mal vor: Essen ohne jegliche Ablenkung. Du hast Zeit, das Essen ungestört und ohne Eile zu genießen. Jeden Bissen kannst du dir auf der Zunge zergehen lassen, schmecken, welche Gewürze verwendet wurden und dich natürlich auch über den Anblick der bunten Vielfalt, die vor dir steht, erfreuen. Es sind dem Genuss keine Grenzen gesetzt, der Menge allerdings schon. Jedenfalls solltest du selbst dir Grenzen setzen. Meditieren lässt es sich am besten mit einigermaßen leerem Magen. Das hat den Grund, dass dein Körper dann nicht mit Verdauen beschäftigt ist und du so mehr Kraft und Energie aufwenden kannst, um dich zu konzentrieren. Somit gilt die Faustregel, nie mehr zu essen, als dass der Magen zu drei Vierteln gefüllt ist. Glaub mir – die Stunden nach dem Mittagessen werden sonst zur Qual. 😉

Höre dir die Diskurse am Abend auf Englisch an, wenn möglich

Obwohl ich generell empfehle, die Instruktionen am besten zweisprachig anzuhören, würde ich die Abenddiskurse unbedingt auf Englisch anschauen. S.N. Goenka, der Lehrer, hat so viel Zauber und Liebe in seiner Stimme, so viel Witz und Charme, so viel Verständnis und Mitgefühl. All diese Dinge gehen bei der Übersetzung leider völlig verloren und wenn dein Englisch einigermaßen okay ist, wäre es schade, sich diese herzliche Art und das Wohlwollen, mit dem er spricht, entgehen zu lassen.

Übe, auf dem Boden zu sitzen

Du wirst viiiieeel Zeit am Boden sitzend verbringen. Ca. 10-12 h täglich. Daran würde ich mich gewöhnen. Am besten kaufst du dir ein Meditationskissen und verbringst die Zeit beim Fernsehen, am Laptop oder beim Lesen teilweise am Boden. Diese Vorbereitung ist die einzige, die ich dir wirklich dringend ans Herz legen würde. 😉

Nimm dir genügend Polster und Decken mit

Beim Meditieren sitzt du natürlich nicht auf dem nackten Boden. Es gibt im Zentrum Decken und Pölster zum Ausleihen. Wenn du allerdings daheim bereits Utensilien verwendest, an die du dich gewöhnt hast und von denen du weißt, dass du auf ihnen bequem sitzt, würde ich diese unbedingt mitnehmen. Du kannst auch gerne mehrere Sitzpolster und Decken mitbringen, um für Abwechslung zu sorgen. Zum Beispiel hatte ich auch einen Yoga-Block mit, um (vor allem bei den Meditationen, die wir im Zimmer abhalten durften) abwechselnd auf etwas Festem und etwas Weichem zu sitzen.

Nutze die Zeit, um raus zu gehen

Zwischen den Meditationseinheiten gibt es geregelte Pausen. Diese Pausen sind wichtig und tun gut. An den ersten Tagen brauchte ich die Pausen zwar immer, um noch ein, zwei Stündchen Schlaf zu erhaschen (meditieren ist nämlich ganz schön anstrengend!), danach hieß es allerdings: ab nach draußen! Frische Luft schnappen, etwas gehen, dehnen, beobachten. Das Leben ist herrlich!

Nutze die Möglichkeit, Gespräche mit den LehrerInnen zu führen

Oft werden im Laufe des Kurses Fragen auftauchen. Das kann von der banalen Frage, wie denn mit einem störenden Sitznachbarn umzugehen sei bis hin zu lebensverändernden, philosophischen Fragen alles sein. Die LehrerInnen beantworten jede Frage mit Einfühlungsvermögen und Respekt. Nutze ihre Zeit und ihre Weisheit!

 (Ver)-Zweifle nicht.

Während des Retreats wird es ganz bestimmt immer wieder Zeiten geben, in denen du alles hinschmeißen möchtest. Du wirst an dir selbst zweifeln, an der Meditationstechnik, vermutlich auch am Leben generell. So geht es fast jedem. Auch deinen Mitmeditierenden. Und auch, wenn sie aufrecht und bewegungslos dasitzen und aussehen wie Statuen von Buddha. Hab‘ also keine Angst, du bist nicht allein. 😉

Halte dich an die Regeln

Regeln wie das Abgeben von technischen Geräten, Schreibzeug, Büchern etc., die völlige, „noble“ Stille oder die strikte Geschlechtertrennung haben ihren Sinn. Auch, wenn es manchmal etwas streng erscheint. Da ich beide meiner Retreats mit meinem Freund besucht habe, weiß ich, wie schwer es ist, allein im Meditationssaal nicht zu ihm „hinüberzuspechteln“ und die Blicke auszutauschen. Und wenn es passiert? Dann folgt stundenlanges Grübeln darüber, was sein Blick wohl über sein Befinden ausgesagt haben könnte. Ratlosigkeit, Verzweiflung, Angst steigt auf. Dass wir uns ansonsten nicht begegnen konnten, war also eher eine Erleichterung als eine Strafe. Auch das Austauschen mit anderen während des Retreats würde nur ablenken und für Verwirrung sorgen. Vielleicht hat eine mitmeditierende Person etwas anders verstanden als du, vielleicht wirft ein Gespräch Zweifel in dir auf, ob du wohl „richtig“ meditierst, vielleicht sagt die Person irgendetwas, das eine Reaktion (Abneigung oder Verlangen) in dir auslöst und dich so aus der Meditation reißt. Alles möglich. Deshalb: Bleib still.

Dass das Handy in so einer Zeit auch nichts als ein riesiger Störfaktor sein würde, brauche ich glaube ich nicht erklären. Es reicht, zu sagen, dass am Abreisetag keiner der fünf Personen in unserem Auto das Handy auch nur zum Musikspielen einschalten wollte.

Und alles, was ihr euch aufschreiben wollt, merkt ihr euch auch so. Zumindest das Wichtige. Alles andere versickert irgendwo in eurer grauen Masse, und das ist wahrscheinlich auch gut so.

Spring nicht gleich wieder zurück in den Wahnsinn.

Gleichermaßen ging es nach dem Retreat wieder auf Hochtouren weiter. Drei außertourlicher Events innerhalb der ersten Woche, zusätzlich zu meinen „normalen“ Yogastunden, am Wochenende ein großes Herbstfest in der Brauerei meines Freundes. Wir sprangen buchstäblich zurück in den Wahnsinn. MACH. DAS. NICHT! Nimm dir wirklich Zeit, anzukommen und auch Zeit, regelmäßiges Meditieren aufrecht zu erhalten.

Stecke dir realistische Ziele

Da kommen wir zum nächsten Punkt. Die Empfehlung vom Guru lautet: Täglich eine Stunde am Morgen und eine Stunde am Abend meditieren. Komme, was wolle. Es macht auf jeden Fall Sinn, sich täglich zwei Stunden hinzusetzen und ich bin auch überzeugt von der positiven Wirkung auf alle Lebensbereiche und davon, dass man im Endeffekt nicht wirklich Zeit „verliert“, da man die verbleibende Zeit bestimmt effizienter nutzt – ABER: Ich weiß auch, dass es verdammt schwierig ist, mir diese Angewohnheit anzueignen und bin mir darüber bewusst, dass so viele Situationen kommen werden, in denen es ungemütlich ist, sich fürs Meditieren und gegen andere Dinge zu entscheiden. Meine Devise lautet daher: Besser weniger als nichts. Ich stecke mir für mich realistischere Ziele und bin damit im Moment zufrieden.

Das war’s mit meinen Tipps und nun noch zur letzten aber doch wichtigen Frage:

Was hat das alles jetzt mit Yoga zu tun?

Meditation ist der Ursprung von Yoga. Ohne Meditation gäbe es kein Yoga. Punkt. Auch, wenn Yoga über die Jahrhunderte hinweg ständig weiterentwickelt wurde und wir heutzutage – vor allem im Westen – zum größten Teil die körperliche Wirkung von Yoga schätzen und nutzen, die Praxis ständig nach Stand der Wissenschaft erweitern und ergänzen, finde ich es wichtig, die ganzheitlichen Wurzeln dieser alten, spirituellen Praxis nicht zu vergessen.

Mir ist wichtig: Yoga besteht nicht nur aus den Asanas (Positionen), sondern ist vielmehr ein großes, ganzheitliches System, das alle Bereiche des Lebens miteinschließt. Das System Yoga mit allen seinen Facetten wurde ursprünglich dazu entwickelt, möglichst lange ungestört in Meditation verbringen zu können. Es überrascht also nicht, dass die Grundsätze von Vipassana und Yoga sehr ähnlich sind. Kurz zusammengefasst: Wir leben ein einfaches, moralisch korrektes Leben, ohne irgendjemand oder irgendetwas (uns selbst eingeschlossen) zu schaden. Diese Lebensart bietet uns wenig Raum für ablenkende Gedanken und Gefühle. Im Yoga kräftigen wir unseren Körper, werden körperlich flexibler und gedehnter (uns fällt es daher auch körperlich leichter, im Lotussitz zu meditieren). Wir lernen, unsere Atmung zu kontrollieren und auch in anstrengenden (für den Körper stressigen) Situationen (=Positionen) ruhig zu bleiben, durchzuatmen. Wir meditieren, und kräftigen so auch unseren Geist, wir werden flexibler im Denken, schneller im Entscheiden.

Yoga als Weg anzusehen, der uns allmählich zur Ruhe führt, der unseren Körper fordert und uns auch geistig wachsen lässt, funktioniert nur, wenn auch Meditation ein Teil davon ist. Und genau deshalb hat dieser Retreat ganz viel mit Yoga zu tun. Yoga ist Meditation. Und Meditation ist Yoga. Ganz einfach. Und das Schönste daran: All das Gelernte können wir nach und nach, immer wieder im Alltag anwenden. Wir werden kräftiger, flexibler, gleichmütiger, gelassener. Wir sehen jeden Moment so an, wie er wirklich ist. Das ist der Grund, warum ich Yoga liebe und es zu meinem Beruf gemacht habe, Yoga zu verbreiten.

 

Danke fürs Lesen und Namaste,

Kerstin

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