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 Disconnect to Reconnect

Einfach mal abschalten!(?)

Dass am Montagabend kurz mal Facebook, Instagram und Whatsapp ausgefallen sind, hat mir gestern so einiges zu denken gegeben, das ich auf diesem Weg gerne mit euch teilen möchte.

Gerade heute zu Neumond ist ein guter Tag, um Gewohnheiten zu überdenken und neue Wege zu bestreiten.

Wir alle wissen, dass Social Media Konsum unser mentales Wohlbefinden nicht unbedingt steigert. Die unaufhörliche Ablenkung, der unkontrollierte Schwall an Informationen und der ständige Vergleich – all das zehrt an uns. Trotzdem ist für viele von uns ein Alltag ohne soziale Netzwerke mittlerweile – aus guten Gründen – undenkbar geworden.

Der Ausfall am Montag hat mir gezeigt, dass es auch für mich wichtig ist, soziale Netzwerke wieder bewusster zu nutzen. Hier teile ich euch mit, welchen Weg ich in Bezug auf Social Media für mich finden möchte.

Das „Aha-Erlebnis“
Oft dachte ich mir schon, dass ich Social Media Apps einfach ganz sein lasse – zu viel Ablenkung, zu viele irrelevante Informationen, die unkontrolliert auf mich einprasseln, zu viel Zeit, die ich damit vergeude, mich zu vergleichen, zu viele negative News, einfach ZU VIEL von allem. Doch da gibt es noch die andere Seite: Den beruflichen „Druck“, erreichbar sein zu müssen, gesehen zu werden, teilen zu dürfen, wertvollen Content zu bieten.

Die Wichtigkeit des beruflichen Aspekts von Social Media habe ich am Montag ganz offensichtlich und als erstes zu spüren bekommen. Zugegebenermaßen etwas verwundert musste ich feststellen, welche direkten Auswirkungen es auf meine Arbeit hat, auf diesen Kanälen nicht erreichbar zu sein. Und genau aus diesem Grund – um erreichbar zu bleiben – habe ich mich bisher schon immer wieder dazu entschlossen, es doch nicht ganz sein zu lassen. Soweit so gut – ein „cold turkey“ Entzug wird es also realistischerweise nicht für mich.

Doch ich habe am Montagabend noch etwas gemerkt. Nämlich dann, als ich daheim ankam – Ruhe. Und zwar vor allem Innere Ruhe. Kein Drang, irgendjemandem noch zu antworten. Keine Versuchung, mich stundenlang auf Instagram „inspirieren“ zu lassen, kein schlechtes Gewissen, weil ich eigentlich noch etwas posten sollte. Einfach nur Ruhe und Zeit, mich mit meinem Liebsten zu unterhalten. Ungeteilte Aufmerksamkeit, Zweisamkeit, tiefe Gespräche, Entspannung. Bitte wie erleichternd, schön und verbindend war das?!

Und wie schnell war es auch wieder aus, als alles wieder lief? Leider sehr schnell. Gestern Morgen prasselten die Nachrichten herein und alles war gefühlt wieder beim Alten. Nur irgendwie doch nicht so ganz. Denn der folgende Gedanke ließ mich nicht los:

Ich dachte an früher. Ich dachte an die Zeit, als ich weder Facebook, Instagram noch irgendeinen anderen sozialen oder Nachrichten-Dienst vom Handy aus erreichen konnte. Ich dachte an die Zeit, in der ich einfach Zeit hatte, Dinge zu tun, die mich mit Freude erfüllten, ohne ständig abgelenkt zu werden. Zeit zu kreieren statt zu konsumieren. Ich dachte daran, wie viele Lieder ich früher geschrieben habe, wie viele Bücher ich gelesen und Bilder ich gemalt habe. Ich dachte daran, wie wenig Kontakt ich mit anderen hatte, außer ich habe mich bewusst mit ihnen getroffen. Ich dachte daran, wie wenig ich über den Alltag meiner Freunde wusste und wie gut wir uns trotzdem verstanden. Wo war die Zeit hin, in der ich meine Freunde noch fragen musste, was sie gestern zu Mittag gegessen haben und wo sie auf Urlaub waren?

Versteht mich nicht falsch – Es ist wunderschön, am Leben der Liebsten teilhaben zu können, ohne ständig an ihrer Seite zu sein. Allerdings finde ich es auch schade, dass viele Konversationen an Tiefe verlieren, weil man das, wovon der andere erzählen möchte, „eh schon auf Insta gesehen“ hat. Ich glaube auch, dass Kontakt zu internationalen Freunden und Bekannten aufrecht zu erhalten etwas ist, das ich in meinem Leben nicht missen möchte. Trotzdem fällt mir immer mehr auf, dass Freundschaften, die im „echten Leben“ passieren für mich durch Kontakte, die nur online gehalten werden, nicht ersetzt werden können. Nähe, Berührung, Augenkontakt, Körpersprache – all das trägt dazu bei, tief zu gehen, sich wohl und verstanden zu fühlen, sich fallen zu lassen – und macht so eine Freundschaft für mich zu einer besonderen, tiefgehenden Erfahrung.

Der Weg der Mitte
Da ich weder ganz von Social Media verschwinden möchte, noch möchte, dass ich mich zu sehr in den Tiefen der Netzwerke verliere, habe ich mir überlegt, wie ich meine Beziehung damit gesünder, ausgeglichener und entspannter gestalten kann. Es muss doch einen Mittelweg geben, der mir genügend Raum gibt, den Moment mit mir und den Menschen, die unmittelbar bei mir sind, zu genießen und es trotzdem möglich macht, erreichbar zu bleiben, gesehen zu werden, meine Botschaften zu teilen und mit anderen in Austausch zu gehen. Also habe ich mir ein paar Fragen gestellt, die mir dabei helfen, diesen Mittelweg zu finden.

Der Griff zum Handy – Ausweichen statt Durchhalten?
Immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich, während ich eine wichtige Email schreibe, ein Angebot durchgehe oder etwas anderes tun möchte, das mich ein wenig Überwindung kostet, unbewusst zum Handy greife. Augenblicklich bringe ich mich selbst damit aus dem Flow. Augenblicklich merke ich, wie die Aufgabe noch etwas furchteinflößender, größer und noch schwieriger zu bewältigen erscheint. Sie abzuschließen rückt in weite Ferne. Augenblicklich fühle ich, wie sich mein Gehirn entspannt, ich bin völlig abgelenkt. Ich bin – sozusagen – der Gefahr entkommen.

Doch wo führt mich dieses Leben in der Komfortzone hin? Weg von unkomfortablen Entscheidungen, weg von den Gefahren eines produktiven, selbstbestimmten Lebens? Vermutlich nicht dorthin, wo ich eigentlich sein möchte… Diese Einsicht führt mich zur ersten Frage, die wäre:
In welchen Momenten bin ich am ehesten dazu verleitet, zum Handy zu greifen und in die Social Welt abzudriften?

Oft ist bei mir auch die Angst, etwas Wichtiges nicht zu erfahren oder mitzubekommen der Grund, online zu gehen. Ich habe Angst davor, „Außenseiter“ zu sein, uninformiert und „weg vom Schuss“ zu wirken. Oder einen Auftrag oder Kunden zu verlieren, weil ich „zu langsam“ war und nicht schnell genug geantwortet habe. Daher möchte ich mich auch fragen:
Was verpasse ich wirklich, wenn ich einen Abend lang nicht online bin? Was erlebe ich dadurch allerdings noch intensiver?

Auch die Gedanken rund um meine eigene Kreativität haben mich gestern und heute lange beschäftigt. Ich merke, dass ich, seit ich Social Networks benutze, viel seltener meine kreative Seite auslebe. Ich frage mich daher auch:
Wie lange brauche ich, um in einen kreativen Flow zu kommen? Wie lange brauche ich, um mich mit meinem Spirit zu verbinden und in einen „Creator-mode“ zu kommen? – und ich nehme mir vor: So lange bleibt mein Handy einfach auf Flugmodus. Sei es eine Stunde, die ich von der Außenwelt „verliere“. Diese Stunde gibt mir dafür umso mehr, wenn ich sie bei mir verbringe.

Auch die unmittelbare Umgebung und die kleinen Gewohnheiten sind ein wichtiger Mitstreiter dabei, weniger oft auf Social Media gefangen zu bleiben und unser Leben im Jetzt zu leben. Daher hier noch ein paar Grundsatzfragen, die du dir im Alltag stellen kannst:

Wozu möchte ich Social Media nutzen? Setze dir eine Aufgabe und begrenze sie wenn möglich auch zeitlich. Gesetzte Timer helfen mir, mich rauszuziehen, wenn ich stecken geblieben bin.

Welche Orte kann ich mir in meinem Zuhause schaffen, an denen das Handy nicht mitzunehmen? Oft bleibe ich im Bett oder am Klo auf Social Media Kanälen hängen. Vermeiden lässt sich das am besten, wenn ich mein Handy einfach gar nicht an diese Orte bringe. Einfach aber effektiv. 😉

Welche Apps sind meine größten Zeitfresser? Kann ich die Nutzungsdauer zeitlich beschränken? Viele Handys bieten dir die Möglichkeit, sich ein Zeitlimit für bestimmte Apps zu setzen. Das hilft dir vielleicht auch dabei, bewusst zu sehen, wie viel Zeit du wo verbringst.

Wenn ich mich dabei ertappe, unbewusst zum Handy zu greifen – schaffe ich es, diesen Moment zu beobachten und durchzuatmen? Wie fühlt es sich an, wenn ich dann – ohne zum Handy zu greifen – an dem weiterarbeite, womit ich gerade beschäftigt war? Mit dieser Übung stärkst du deine Konzentration, schulst deinen Fokus, förderst deine Disziplin und Entschlossenheit – und all das trägt zu einer stabilen, selbstbewussten, produktiven Persönlichkeit bei.  

Schaffe ich es, mein Handy kurz (z.B. bei Spaziergängen, beim Einkauf) zu Hause zu lassen? Wie fühle ich mich, wenn ich nicht erreichbar bin? Das Gefühl des unerreichbar seins ist vermutlich anfangs etwas beängstigend. Doch halte durch, genieße diesen Moment des Unbehagens. Er wird sich schon bald gut anfühlen und du fühlst dich frei, mutig und selbstbestimmt.

So weit, so gut.

Einige dieser Fragen stelle ich mir schon lange und einige neue werde ich mir nun immer wieder stellen, um meine Beziehung zu Social Media gesünder und produktiver zu gestalten. Das wichtigste dabei ist allerdings, sich nicht fertig zu machen, wenn man zu viel Zeit auf sozialen Netzwerken verbringt. Wir alle können gegen die Algorithmen, die uns auf den Netzwerken halten, einfach nicht ankämpfen. Sie sind dazu programmiert, uns in einer Welt gefangen zu halten, in der wir konsumieren – und so konsumiert werden. Sind wir auf der Plattform, zieht es jeden rein. So viel Selbstbeherrschung haben die allerwenigsten – mich eingeschlossen.

Doch ganz genau deshalb ist es so wichtig, dass wir Gewohnheiten entwickeln, die schon von vorneherein die Zeiten, in denen wir die Möglichkeit haben, online zu gehen, minimieren.

Gewohnheiten, die uns näher zu uns selbst bringen anstatt in die weite Ferne.
Näher zu den Menschen im selben Raum statt in eine virtuelle Realität.
Näher zu innerer Ruhe anstatt zu Chaos im Kopf.

Viel Erfolg, Durchhaltevermögen und Vertrauen auf deiner Reise. Wir alle schaffen das! 😊